Krankenstand senken: Prävention statt Lohnfortzahlung – ein betriebswirtschaftlicher Vergleich
Für viele Geschäftsführer im Mittelstand gehört der Blick auf die monatliche Krankenstatistik zu den unangenehmsten Aufgaben. Jeder Prozentpunkt mehr bedeutet nicht nur fehlende Hände im Betrieb, sondern eine direkte Belastung der Liquidität. Doch während über die Kosten der Lohnfortzahlung oft geschimpft wird, bleibt eine entscheidende Frage meist unbeantwortet: Was wäre, wenn wir einen Bruchteil dieses „verlorenen Geldes“ investieren würden, um die Ausfälle erst gar nicht entstehen zu lassen?
Ein betriebswirtschaftlicher Vergleich zwischen der reinen Reaktion (Lohnfortzahlung) und der aktiven Prävention zeigt schnell, dass Gesundheitsschutz keine soziale Wohltat ist, sondern eine knallharte Rechengröße für ein gesundes Unternehmen.
Die versteckten Kosten der Lohnfortzahlung
Wenn ein Mitarbeiter erkrankt, sieht der Chef auf der Lohnabrechnung zunächst nur das weitergezahlte Gehalt ohne Gegenleistung. Doch die tatsächlichen Kosten eines Krankheitstages liegen laut Studien oft beim 2- bis 2,5-fachen des Bruttolohns. Warum ist das so?
- Produktivitätsverlust: Aufgaben bleiben liegen oder Projekte verzögern sich, was im schlimmsten Fall zu Pönalen oder unzufriedenen Kunden führt.
- Überlastung des Teams: Kollegen müssen die Mehrarbeit auffangen. Das steigert deren Stresslevel und erhöht das Risiko für Folgeerkrankungen im restlichen Team.
- Organisationsaufwand: Die Geschäftsführung oder HR muss Ersatz planen, Schichten umstellen oder Termine absagen – wertvolle Zeit, die im Kerngeschäft fehlt.
- Qualitätsmangel: Wenn eingespielte Prozesse durch kurzfristige Vertretungen gestört werden, steigt die Fehlerquote.
In der Summe ist die Lohnfortzahlung für das Unternehmen „totes Kapital“. Es ist Geld, das ausgegeben wird, um einen Status Quo (die Abwesenheit) zu verwalten, statt Wertschöpfung zu generieren.
Prävention als Mosaik: Mehr als nur Medizin
Strategische Prävention ist kein einzelnes Tool, sondern ein Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen, die das „Human Capital“ schützen. Um den Krankenstand nachhaltig zu drücken, muss man an drei Hebeln gleichzeitig ansetzen:
1. Die physische Ebene: Ergonomie & Umfeld
Rückenschmerzen und Muskel-Skelett-Erkrankungen sind nach wie vor einer der Hauptgründe für Krankschreibungen. Hier hilft oft schon eine „Hardware-Prävention“:
- Ergonomische Arbeitsplätze: Höhenverstellbare Schreibtische und hochwertige Stühle sind keine Luxusgüter, sondern Investitionen in die Wirbelsäule Ihrer Mitarbeiter.
- Arbeitsumgebung: Ausreichend Licht, gute Belüftung und Lärmschutz senken die tägliche körperliche Belastung drastisch.
2. Die psychische Ebene: Führung & Kultur
Ein schlechtes Betriebsklima macht krank. Psychosomatische Beschwerden sind oft das Resultat von Überforderung oder mangelnder Wertschätzung.
- Gesunde Führung: Vorgesetzte, die Warnsignale von Stress erkennen und eine offene Fehlerkultur vorleben, senken das Burnout-Risiko im Team.
- Flexibilität: Moderne Arbeitszeitmodelle, die eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ermöglichen, reduzieren den mentalen Druck massiv.
3. Die medizinische Ebene: Die bKV als Fundament
Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) bildet das medizinische Sicherheitsnetz, das dort einspringt, wo das staatliche System zu langsam ist. Mit einem Budget von oft nur 15 € bis 50 € pro Mitarbeiter erzielen Sie hier eine enorme Hebelwirkung:
- Facharzt-Terminservice: Schnelle Termine bedeuten schnellere Diagnosen und somit kürzere Ausfallzeiten.
- Vorsorge-Budgets: Jährliche Budgets für Check-ups sorgen dafür, dass Probleme erkannt werden, bevor sie zur chronischen Krankheit werden.


