bKV kaum genutzt? So informieren Sie Ihre Mitarbeiter

Veröffentlicht am
30.10.2026
von
Martin Schmidt

Wird Ihre bKV kaum genutzt, liegt das selten am Tarif. Meist wissen die Beschäftigten nicht genau, was versichert ist und wie sie eine Rechnung einreichen. Die Lösung ist eine klare Information zum Start, ein fester Platz im Onboarding und zwei bis drei Erinnerungen im Jahr.

Wie viel möglich ist, zeigt eine Auswertung des Maklerhauses Funk. Bei Budgettarifen nutzt im Schnitt mehr als die Hälfte der Versicherten ihre bKV, unabhängig von der Firmengröße (Funk, 09.12.2025). Liegt Ihr Betrieb deutlich darunter, lohnt sich ein genauer Blick auf die Kommunikation.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie die Nutzung messen, wie Sie Mitarbeiter informieren und was Sie dabei rechtlich beachten müssen.

Woran Sie erkennen, dass Ihre bKV nicht ankommt

Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) ist eine Zusatzversicherung, die Sie als Arbeitgeber für Ihre Belegschaft abschließen und bezahlen. Sie ergänzt die gesetzliche Kasse, etwa bei Brille, Zahnreinigung oder Vorsorge. Die Grundlagen finden Sie im Überblick zur betrieblichen Krankenversicherung.

Die Zahl der Betriebe mit bKV wächst schnell. Ende 2025 boten 60.600 Unternehmen eine voll arbeitgeberfinanzierte Kranken- oder Pflegeversicherung an. Das sind 16 % mehr als ein Jahr zuvor. Über 2,8 Millionen Menschen waren so abgesichert (PKV-Verband, Stand 31.12.2025). Ob die Leistung im Alltag ankommt, sagt diese Zahl aber nicht.

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Die Nutzungsquote als Kennzahl

Die Nutzungsquote ist der Anteil der Versicherten, die in einem Jahr mindestens eine Leistung abgerechnet haben. Manche Versicherer nennen sie auch Leistungsquote. Fragen Sie nach, wie Ihr Versicherer die Zahl genau berechnet.

Die Kennzahl steht im Reporting, das viele Versicherer für Gruppenverträge liefern. Die Funk-Studie beruht genau auf solchen Reportings. Funk hat dafür die Verträge von 170 Unternehmen mit fast 70.000 Versicherten ausgewertet (Funk bKV-Reporting-Guide 2026, 09.12.2025).

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Welche Werte Sie einordnen können

Für Budgettarife gibt es einen Vergleichswert: Im Schnitt nutzt mehr als die Hälfte der Versicherten das Budget. Höhere Budgets werden häufiger genutzt als niedrige (Funk, 09.12.2025). Für Bausteintarife hat Funk keine Quote veröffentlicht. Vergleichen Sie dort vor allem Ihre eigenen Jahre miteinander.

Tabelle: Eingereichte Rechnungen je Versichertem nach Budgethöhe (2024)

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JahresbudgetRechnungen // pro Versichertem und Jahr
300 €4,2
600 €6,4
900 €7,3
Funk bKV-Reporting-Guide 2026, Werte für 2024, berichtet von AssCompact am 10.12.2025.

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Weitere Warnsignale brauchen keine Statistik. Fragen Beschäftigte, ob sie „das mit der Versicherung“ überhaupt haben? Kommen Fragen erst, wenn jemand eine Brille braucht? Dann fehlt die Grundinformation.

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Warum Beschäftigte ihre bKV nicht nutzen

Die Gründe sind meist praktisch. Die Leistung ist da, aber niemand hat sie greifbar erklärt. Typisch sind diese Ursachen:

Tabelle: Typische Ursachen und passende Maßnahmen

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UrsacheWoran Sie es merkenMaßnahme
Wissen
Beschäftigte wissen nicht, dass sie versichert sindFragen „Habe ich das?“Kick-off, Brief an alle
Leistungen sind unklarNur eine Leistung genutztEinseiter mit Beispielen
Ablauf
Einreichen wirkt kompliziertWenig RechnungenApp-Demo, Anleitung
Neue Kollegen erfahren nichtsQuote sinkt mit FluktuationPunkt im Onboarding
Vertrauen
Sorge, der Chef sieht DiagnosenZögern bei LeistungenDatenschutz erklären

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Die Tabelle ersetzt keine Auswertung Ihres Betriebs. Sie hilft aber, die passende Maßnahme zu finden. Wie ein schwacher Start eine bKV ausbremst, beschreiben wir auch im Beitrag über typische Fehler bei bKV-Projekten.

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Der Kick-off: So stellen Sie die bKV vor

Der Start prägt, wie die Belegschaft die bKV sieht. Eine Rundmail mit PDF reicht dafür nicht. Planen Sie lieber einen kurzen, persönlichen Termin.

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Was in den Kick-off gehört

  • Wer zahlt: Sie als Arbeitgeber. Die Beschäftigten zahlen nichts dazu.
  • Was es bringt: Drei konkrete Beispiele, etwa Brille, Zahnreinigung und Vorsorge.
  • Wie es geht: Rechnung fotografieren, in der App hochladen, Erstattung abwarten.
  • Was Sie nicht sehen: Keine Diagnosen, keine Einzelrechnungen.
  • Wo es Hilfe gibt: Ein Ansprechpartner im Betrieb und die Hotline des Versicherers.

Die App verdient eine kurze Live-Vorführung. Laut Funk werden neun von zehn Rechnungen digital per E-Mail oder App eingereicht (Funk, 09.12.2025). Wer das einmal gesehen hat, traut sich eher.

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Wer den Kick-off hält

Die Geschäftsführung sollte die bKV selbst ankündigen. Das zeigt, dass es ein ernst gemeintes Angebot ist. Die Details kann danach HR oder Ihr Makler erklären. Bei Schichtbetrieb lohnen sich zwei oder drei Termine, damit alle Teams dabei sind.

Wie der Kick-off in die gesamte Einführung passt, zeigt unser Leitfaden bKV einführen in 7 Schritten.

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Neue Mitarbeitende: bKV im Onboarding

Bei jeder Neueinstellung beginnt die Information von vorn. Kommt die bKV im Onboarding nicht vor, sinkt die Nutzung mit jedem Jahr, besonders bei hoher Fluktuation.

So verankern Sie die bKV fest im Onboarding:

  1. Im Vertragsgespräch nennen. Die bKV ist ein Argument für Ihr Unternehmen. Sagen Sie es schon beim Angebot.
  2. In die Willkommensmappe legen. Ein Einseiter mit Leistungen, App-Link und Ansprechpartner genügt.
  3. Anmeldung prüfen. Klären Sie mit dem Versicherer, wie und ab wann neue Kolleginnen und Kollegen versichert sind. Das regelt Ihr Gruppenvertrag.
  4. Nach drei Monaten nachfragen. Ein kurzer Hinweis im Feedbackgespräch: „Haben Sie die App schon eingerichtet?“

Gruppenverträge kommen meist ohne Gesundheitsprüfung aus, weil sich das Risiko auf viele Versicherte verteilt (PKV-Verband, 09.02.2024). Ob das auch für spätere Neuzugänge und Angehörige gilt, steht in Ihren Vertragsbedingungen.

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Erinnern über das Jahr

Ein Kick-off allein hält nicht lange vor. Erinnern Sie zu Anlässen, an denen die Leistung wirklich gebraucht wird. Zwei bis drei Hinweise im Jahr reichen meist.

Tabelle: Beispiel-Kalender für Erinnerungen

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ZeitpunktAnlassBotschaft
JanuarBudget startet neu„Ihr Budget ist wieder voll.“
FrühjahrVorsorge, Zahnreinigung„Zahnreinigung zahlt die bKV.“
OktoberRestbudget„Budget schon genutzt?“
LaufendNeue KollegenHinweis im Onboarding
Beispiel. Ob Ihr Budget zum Kalenderjahr oder zum Vertragsjahr startet, steht im Vertrag.

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Wählen Sie Kanäle, die Ihre Beschäftigten ohnehin nutzen. Das kann das Intranet sein, ein Aushang im Pausenraum oder die Teambesprechung. Eine anonymisierte Zahl aus dem Reporting macht neugierig, etwa „Mehr als die Hälfte hat schon eine Rechnung eingereicht“. Nennen Sie so eine Zahl nur, wenn sie wirklich aus Ihrem Reporting stammt.

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Was Sie dürfen und was nicht

Gute Information hat drei rechtliche Leitplanken. Klären Sie diese, bevor Sie Kampagnen starten.

Betriebsrat. Wer welche Leistung bekommt, ist eine Frage der betrieblichen Lohngestaltung. Dabei hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht (§ 87 Abs. 1 Nr. 10 BetrVG). Binden Sie ihn früh ein. Er ist oft der beste Kanal in die Belegschaft.

Datenschutz. Gesundheitsdaten sind besonders geschützt. Rechnungen und Diagnosen gehen direkt an den Versicherer, nicht an Sie. Fragen Sie den Versicherer, welche Kennzahlen das Reporting enthält und ab welcher Gruppengröße es anonym ist. Sagen Sie der Belegschaft klar, was Sie sehen und was nicht.

Steuer. Die bKV kann im Rahmen der 50-€-Grenze für Sachbezüge steuer- und beitragsfrei bleiben (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG). Voraussetzung ist, dass Sie Versicherungsschutz gewähren und kein Geld. Ein Geldzuschuss mit der Bedingung, eine Versicherung abzuschließen, ist dagegen Arbeitslohn (PKV-Verband). Kommunizieren Sie die bKV daher als Leistung, nicht als Zuschuss. Mehr zu Kosten und Steuer lesen Sie im Beitrag Was kostet eine bKV?. Lassen Sie Ihren Einzelfall von Ihrem Steuerberater prüfen.

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Wann es doch am Tarif liegt

Manchmal bleibt die Nutzung trotz guter Information niedrig. Dann lohnt ein Blick auf den Vertrag. Drei Punkte sind typisch:

  • Budgethöhe: Höhere Budgets werden laut Funk häufiger genutzt als niedrige. Ein sehr kleines Budget wirkt auf viele nicht der Mühe wert.
  • Sublimits: Das sind Obergrenzen für einzelne Leistungen innerhalb des Budgets. Sie können sinnvoll sein, verwirren aber, wenn niemand sie erklärt.
  • App und Abwicklung: Eine gute App und eine schnelle Erstattung sind laut Funk wichtig, aber nicht bei allen Versicherern ausgereift.

Die meistgenutzten Leistungen sind Arznei- und Verbandmittel, Sehhilfen und Zahnprophylaxe (Funk, 09.12.2025). Diese drei gehören in jede Information.

Der Aufwand lohnt sich. Das zeigt die MB24-Studie „Mitarbeiterbindung in Deutschland 2026“ (n=350). Beschäftigte mit bKV kamen auf eine Bindung von 4,4 von 5 Punkten, ohne bKV auf 2,9. Das ist ein Zusammenhang, kein Beweis für Ursache und Wirkung. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag zur bKV-Nachfragelücke. Eine bKV, die niemand kennt, kann diese Wirkung aber kaum entfalten.

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Quellen

  • PKV-Verband: Betriebliche Krankenversicherung (Themenseite), Stand 31.12.2025 – https://www.pkv.de/themen/krankenversicherung/betriebliche-krankenversicherung/
  • PKV-Verband: Interview zur bKV mit Holger Eich, 09.02.2024 – https://www.pkv.de/verband/presse/meldungen/intereview-bkv-holger-eich/
  • Funk Gruppe: Studie zeigt: Immer mehr Mitarbeitende nutzen die betriebliche Krankenversicherung, 09.12.2025 – https://www.funk-gruppe.de/de/medien-events/presse/pressemitteilungen/detail/news/2202-mitarbeitende-nutzen-betriebliche-krankenversicherung
  • AssCompact: Diese bKV-Leistungen nutzen Versicherte am häufigsten, 10.12.2025 – https://www.asscompact.de/nachrichten/diese-bkv-leistungen-nutzen-versicherte-am-haeufigsten
  • Betriebsverfassungsgesetz, § 87 Mitbestimmungsrechte – https://www.gesetze-im-internet.de/betrvg/__87.html
  • Einkommensteuergesetz, § 8 Einnahmen – https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__8.html
  • MB24: Studie „Mitarbeiterbindung in Deutschland 2026“, n=350, Frühjahr 2026 – https://www.mitarbeiterbindung24.de/ratgeber/bkv-nachfrage-luecke

Wir helfen Ihnen, die bKV in Ihrer Belegschaft bekannt zu machen

FAQ - Häufig gestellte Fragen

Wie hoch sollte die Nutzungsquote einer bKV sein?

Einen amtlichen Richtwert gibt es nicht. Bei Budgettarifen nutzt laut Funk-Auswertung im Schnitt mehr als die Hälfte der Versicherten ihr Budget. Vergleichen Sie Ihren Wert vor allem mit Ihren eigenen Vorjahren.

Woher bekomme ich die Nutzungsquote?

Aus dem Reporting Ihres Versicherers. Viele Versicherer liefern es für Gruppenverträge regelmäßig. Fragen Sie nach, wie die Quote berechnet wird und wie oft Sie die Zahlen erhalten.

Erfährt der Arbeitgeber, wer die bKV nutzt?

Nein, Diagnosen und Einzelrechnungen bekommen Sie nicht. Sie gehen direkt an den Versicherer. Sie erhalten nur zusammengefasste Kennzahlen. Klären Sie mit dem Versicherer, was das Reporting genau zeigt.

Wie informiere ich neue Mitarbeiter über die bKV?

Nennen Sie die bKV schon im Vertragsgespräch. Legen Sie einen Einseiter in die Willkommensmappe und fragen Sie nach drei Monaten nach. Klären Sie mit dem Versicherer, ab wann Neuzugänge versichert sind.

Muss der Betriebsrat bei der bKV mitreden?

Bei der Frage, wer welche Leistung erhält, hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 BetrVG. Binden Sie ihn früh ein. Er hilft oft dabei, die bKV in der Belegschaft bekannt zu machen.

Wie oft sollte ich an die bKV erinnern?

Zwei bis drei Hinweise im Jahr reichen meist. Gute Anlässe sind der Budgetstart, die Vorsorgesaison und das Restbudget gegen Jahresende. Dazu kommt der feste Hinweis im Onboarding.

Über den Autor

Martin Schmidt
Mitgründer und Senior Berater bei MB24
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