bKV: Das Instrument, das 44% wollen und nur 9% bekommen

Veröffentlicht am
12.7.2026
von
Martin Schmidt

Unsere Studie zeigt die größte unerfüllte Nachfrage der gesamten Erhebung: 44% der Beschäftigten wünschen sich eine betriebliche Krankenversicherung (bKV), aber nur 9% arbeiten tatsächlich bei einem Arbeitgeber, der eine anbietet. Das ist eine Lücke von 35 Prozentpunkten. Dieser Befund ist Teil unserer Mitarbeiterbindungs-Studie 2026.

35 Prozentpunkte klingen erst mal abstrakt. Konkret heißt das: Fast jeder zweite Ihrer Beschäftigten würde sich über eine bKV freuen, aber nur jeder elfte hat tatsächlich eine. Bei keinem anderen Benefit in unserer Studie ist die Differenz zwischen Wunsch und Wirklichkeit so groß.

Was ist eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) überhaupt?

Eine bKV ist eine vom Arbeitgeber finanzierte Zusatzversicherung für die gesamte Belegschaft, die typische Lücken der gesetzlichen Krankenkasse schließt. Sie kostet oft nicht mehr als ein Mittagessen pro Person und Monat.

Konkret deckt eine bKV meist Dinge ab, die die gesetzliche Kasse nur teilweise oder gar nicht übernimmt: schnellere Termine beim Facharzt, Zuschüsse zu Zahnersatz und Brille, zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen, manchmal auch Heilpraktiker-Leistungen. Der Arbeitgeber zahlt die Prämie, alle Mitarbeitenden sind automatisch mitversichert, ohne Gesundheitsprüfung im Einzelfall.

Anders als bei einer privaten Krankenzusatzversicherung, die jeder für sich selbst abschließen müsste, übernimmt hier der Betrieb die Organisation und die Kosten. Für viele Beschäftigte ist das der einfachste Weg, überhaupt eine Zusatzabsicherung zu bekommen, weil sie sich um nichts kümmern müssen. Steuerlich ist die bKV bis zu einer monatlichen Sachbezugsfreigrenze von 50 Euro pro Mitarbeitendem lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG), wie das Bundesministerium der Finanzen in seinen Lohnsteuer-Richtlinien festhält (BMF, 2026, abgerufen 2026-07-10).

Gerade für den Mittelstand ist das relevant, weil in unserer Beratung immer wieder Geschäftsführer eine bKV für ein Konzern-Thema halten, zu teuer, zu kompliziert für den eigenen Betrieb. Die Prämien liegen aber meist zwischen 20 und 50 Euro pro Mitarbeitendem und Monat, deutlich unter dem, was viele erwarten.

Die Lücke zwischen bKV-Wunsch und bKV-Angebot: 44% zu 9%

Bei keinem anderen Benefit unserer Studie klafft Wunsch und Wirklichkeit so weit auseinander wie bei der bKV: 44% Wunsch gegenüber 9% tatsächlichem Angebot. Das ist die größte unbediente Nachfrage der gesamten Erhebung.

Zum Vergleich: Auch beim Gehalt und bei Mental-Health-Angeboten gibt es Wunsch-Lücken, aber die betreffen Themen, die viele Betriebe zumindest in Ansätzen schon anbieten. Bei der bKV ist es anders. Fast die Hälfte der Belegschaft will sie, aber über 90% der Betriebe, in denen diese Menschen arbeiten, haben sie nicht im Programm.

bKV-Nachfragelücke: Wunsch gegenüber Verbreitung 44% der Befragten wünschen sich eine betriebliche Krankenversicherung als Benefit, aber nur 9% haben tatsächlich eine bei ihrem Arbeitgeber. Lücke: 35 Prozentpunkte. Quelle: MB24-Studie Mitarbeiterbindung in Deutschland 2026. 44% Wünschen sich bKV 9% Haben tatsächlich bKV 35 Punkte Lücke Quelle: MB24-Studie "Mitarbeiterbindung in Deutschland 2026", n=350 (2026)

Zitierfähige Kurzfassung: Die MB24-Studie 2026 (n=350, Frühjahr 2026) zeigt die größte Nachfragelücke aller gemessenen Benefits: 44% der Beschäftigten wünschen sich eine bKV, nur 9% haben tatsächlich eine, eine Differenz von 35 Prozentpunkten.

Was heißt das für einen typischen Mittelstandsbetrieb?

Wenn Sie 80 Mitarbeitende haben und noch keine bKV anbieten, wünschen sich statistisch rund 35 davon dieses Instrument. Sie konkurrieren damit gegen jeden Arbeitgeber in Ihrer Region, der diese Lücke bereits geschlossen hat, meist ohne dass Sie es merken, bis die Kündigung auf dem Tisch liegt.

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Wie stark hängt die bKV wirklich mit Mitarbeiterbindung zusammen?

Mitarbeitende mit bKV erreichen einen Bindungsindex von 4,4 von 5, Mitarbeitende ohne bKV liegen bei 2,9. Der Unterschied von 1,5 Punkten ist der größte Effekt eines einzelnen Benefits in unserer gesamten Studie.

Zur Einordnung: Nur die Führungsqualität selbst zeigt in unserer Erhebung eine noch größere Spannweite, wie wir im Beitrag "Führung schlägt Gehalt" gezeigt haben. Kein anderer einzelner Baustein, weder Homeoffice noch Weiterbildung noch Sachbezüge, kommt an diesen Unterschied heran.

Das macht die bKV zu etwas Besonderem unter den Benefits: Sie ist fast das einzige konkret einführbare Instrument, dessen Wirkung sich in der Nähe der Führungswirkung bewegt. Homeoffice, Sachbezüge oder Weiterbildung, so wichtig sie sind, erreichen in unserer Studie keinen vergleichbaren Bindungsunterschied.

Das ist kein Beweis, dass die bKV Bindung verursacht. Auch hier gilt: Unsere Studie zeigt einen Zusammenhang, keinen bewiesenen Kausalmechanismus. Es ist denkbar, dass Betriebe, die überhaupt eine bKV einführen, auch in anderen Bereichen besser aufgestellt sind, etwa bei Führung oder Kommunikation. Trotzdem bleibt die bKV der stärkste Einzeleffekt unter allen konkreten Benefits, die wir gemessen haben.

Als Handlungsgrundlage lohnt sich das trotzdem, weil die bKV vergleichsweise günstig und schnell einführbar ist, oft innerhalb weniger Wochen, ohne dass Sie auf ein wissenschaftliches Kausalgutachten warten müssen. Bei einem möglichen Effekt dieser Größenordnung ist das Risiko einer Fehlinvestition überschaubar.

Warum ältere Mitarbeitende sich mehr für eine bKV interessieren als jüngere

Die bKV-Relevanz steigt kontinuierlich mit dem Alter: von 2,14 bei unter 25-Jährigen bis 3,75 bei 55- bis 64-Jährigen, gemessen auf einer Bewertungsskala. Das widerspricht der verbreiteten Annahme, junge Fachkräfte würden Gesundheitsleistungen kaum schätzen.

In der Beratung höre ich diesen Satz häufig: "Unsere jungen Leute interessieren sich doch eh nicht für sowas." Die Zahlen sagen etwas anderes, allerdings kein "gar nicht", sondern "noch nicht so stark wie später". Der Anstieg verläuft nahezu stufenlos über alle fünf Altersgruppen hinweg.

bKV-Relevanz nach Altersgruppe bKV-Relevanz auf einer Bewertungsskala, nach Altersgruppe: unter 25 Jahre 2,14; 25-34 Jahre 2,86; 35-44 Jahre 3,11; 45-54 Jahre 3,59; 55-64 Jahre 3,75. Quelle: MB24-Studie Mitarbeiterbindung in Deutschland 2026. Unter 25 2,14 25–34 2,86 35–44 3,11 45–54 3,59 55–64 3,75 Quelle: MB24-Studie "Mitarbeiterbindung in Deutschland 2026", n=350 (2026)

Was folgt daraus für Ihre Belegschaftsstruktur?

Der naheliegende Schluss wäre: Erst bKV einführen, wenn die Belegschaft älter ist. Das greift zu kurz. Wer jungen Mitarbeitenden schon früh eine bKV bietet, schafft ein Vertrauensversprechen, das über Jahrzehnte trägt, auch wenn die unmittelbare Begeisterung bei unter 25-Jährigen noch niedriger ausfällt als später.

Ein Vergleich hilft hier: Eine betriebliche Altersvorsorge wirkt ähnlich, wie wir im nächsten Beitrag dieser Reihe zeigen: bAV im Mittelstand. Wer solche Leistungen früh anbietet, statt erst zu reagieren, wenn die Belegschaft älter wird, positioniert sich als Arbeitgeber, der langfristig mitdenkt. Das zahlt sich aus, gerade beim Werben um jüngere Fachkräfte, die zwar heute weniger Wert auf Gesundheitsleistungen legen, aber genau registrieren, welcher Arbeitgeber vorausschauend handelt.

Was heißt das ganz praktisch?

Warten Sie nicht, bis Ihre Belegschaft im Schnitt älter ist, um über eine bKV nachzudenken. Der Effekt auf die Bindung ist schon bei jüngeren Mitarbeitenden messbar vorhanden, er wächst nur noch mit dem Alter weiter.

Was bedeutet diese Lücke jetzt für Ihre bKV-Entscheidung?

Bei kaum einem anderen Benefit ist die Kombination aus großer Nachfrage, geringem Angebot und starkem Bindungseffekt so eindeutig wie bei der bKV). Das macht sie zu einem der wirkungsvollsten Hebel, die ein Mittelstandsbetrieb aktuell ziehen kann.

Ich sage das bewusst nüchtern, ohne Übertreibung: Eine bKV löst kein Führungsproblem und ersetzt keine schlechte Arbeitsatmosphäre, wie wir im Beitrag "Führung schlägt Gehalt" ausführlich erklärt haben. Aber wenn die Grundlagen stimmen, ist die bKV nach unseren Daten der wirksamste einzelne Benefit-Baustein, um Bindung zu stärken.

Für alle, die tiefer in das Thema einsteigen wollen, was eine bKV genau abdeckt, wie die Einführung ohne HR-Abteilung funktioniert, und mit welchen Kosten realistisch zu rechnen ist, haben wir bei MB24 unseren ausführlichen Leitfaden zur betrieblichen Krankenversicherung zusammengestellt. Dort gehen wir auch auf Tarifunterschiede und Anbietervergleiche ein, was hier den Rahmen sprengen würde.

Wenn Sie wissen wollen, ob und wie sich eine bKV konkret für Ihren Betrieb lohnt

Dann ist der einfachste nächste Schritt ein kurzes, unverbindliches Gespräch. In unserer bKV-Beratung bei MB24 schauen wir uns Ihre Belegschaftsstruktur an und rechnen durch, was eine Einführung realistisch kosten und bewirken würde, meist reichen dafür 30 Minuten.

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FAQ - Häufig gestelle Fragen

Was ist eine betriebliche Krankenversicherung (bKV)?

Eine bKV ist eine arbeitgeberfinanzierte Zusatzversicherung für die gesamte Belegschaft, die Lücken der gesetzlichen Krankenkasse schließt, etwa bei Facharztterminen, Zahnersatz oder Vorsorgeuntersuchungen. Sie kostet oft nur 10 bis 50 Euro pro Mitarbeitendem und Monat.

Ab wann lohnt sich eine bKV für kleine Unternehmen?

Nach unseren Daten lohnt sich die Prüfung ab dem ersten Mitarbeitenden, weil bereits kleine Betriebe von der großen Nachfragelücke profitieren: 44% wünschen sich eine bKV, aber nur 9% haben ein). Viele Anbieter haben Mindestgruppengrößen ab 3 bis 5 Personen, in unserer Beratung prüfen wir das individuell.

Interessieren sich jüngere Mitarbeitende überhaupt für eine bKV?

Ja, aber weniger stark als ältere: Die bKV-Relevanz steigt von 2,14 bei unter 25-Jährigen auf 3,75 bei 55- bis 64-Jährigen. Eine frühe Einführung lohnt sich trotzdem, weil sie langfristig Vertrauen aufbaut, bevor die Wertschätzung mit dem Alter weiter steigt.

Wie wurde diese Lücke gemessen?

Wir haben im Frühjahr 2026 bei 350 Beschäftigten aus 13 Branchen erhoben, welche Benefits sie sich wünschen und welche sie tatsächlich haben. Details zur Methodik, inklusive Limitationen der Selbstauskunft, finden Sie im Methodik-Beitrag.

Was folgt daraus für Ihre nächsten Schritte?

Die bKV-Nachfragelücke ist der größte messbare unerfüllte Wunsch in unserer gesamten Mitarbeiterbindungs-Studie 2026: 44% wollen, nur 9% bekommen, bei einem Bindungsunterschied von 1,5 Punkten. Das ist kein Nischenbenefit, sondern eine der klarsten Handlungsaufforderungen unserer Daten.

Wenn Sie nach der Führung nur eine zweite Sache in diesem Jahr angehen wollen, sprechen unsere Zahlen deutlich für die bKV, noch vor Gehaltserhöhungen und den meisten anderen Benefit-Bausteinen. Wie es bei der betrieblichen Altersvorsorge im Mittelstand aussieht, dem zweiten großen Vorsorge-Baustein mit ähnlicher Lücke, zeigen wir im nächsten Beitrag dieser Reihe: bAV im Mittelstand.

Über den Autor

Martin Schmidt
Mitgründer und Senior Berater bei MB24
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