Mitarbeiterbindung-Studie 2026: Warum Ihre besten Leute kündigen

Veröffentlicht am
12.7.2026
von
Martin Schmidt

Wenn bei Ihnen jemand kündigt und im Austrittsgespräch "mehr Gehalt anderswo" sagt, glauben Sie es nicht sofort. Nach unserer Studie mit 350 Beschäftigten aus 13 Branchen ist Gehalt selten der eigentliche Grund. Es ist die höflichste Antwort, die niemandem wehtut.

In über zehn Jahren Beratung habe ich das Muster immer wieder gesehen: Der Kündigungsgrund im Gespräch war das Gehalt. Der wahre Grund kam erst raus, wenn der Mitarbeitende schon beim neuen Arbeitgeber war und offener redete. Meistens ging es um die Führungskraft, um fehlende Wertschätzung oder um Benefits, die einfach nie kamen.

Deshalb haben wir bei MB24 im Frühjahr 2026 eine eigene Studie gemacht: "Mitarbeiterbindung in Deutschland 2026". 350 Beschäftigte, 13 Branchen, Unternehmensgrößen von 1 bis über 10.000 Mitarbeitenden, Schwerpunkt auf dem Mittelstand zwischen 50 und 1.000. Das Ergebnis erklärt, warum so viele Bindungsmaßnahmen ins Leere laufen, und was stattdessen wirkt.

Die vollständige Methodik unserer Studie haben wir in einem eigenen Beitrag erklärt.

Was zeigt unsere Mitarbeiterbindung-Studie 2026 auf einen Blick?

Unsere Studie mit 350 Beschäftigten aus 13 Branchen zeigt fünf zentrale Muster: eine Bindungslücke im Mittelstand, Gehalt als Symptom statt Ursache, Führung als stärksten Einzelfaktor, eine große unerfüllte Nachfrage nach Gesundheits- und Vorsorge-Benefits, und eine messbare Lücke bei bKV und bAV.

Diese fünf Erkenntnisse bilden das Rückgrat dieses Artikels. Jede bekommt weiter unten einen eigenen Abschnitt mit den Zahlen dahinter. Wer tiefer einsteigen will, findet zu jedem Thema einen eigenen Beitrag in unserer Studienreihe, verlinkt am Ende des jeweiligen Abschnitts.

Zitierfähige Kurzfassung: Die MB24-Studie 2026 (n=350, 13 Branchen, Frühjahr 2026) zeigt, dass emotionale Mitarbeiterbindung im deutschen Mittelstand (51–500 Mitarbeitende) mit 2,41–2,56 von 5 Punkten niedriger ausfällt als in Kleinbetrieben (3,43) und Großkonzernen (3,71).

Bevor wir in die Details gehen, kurz zur Methode: Wir haben im Frühjahr 2026 einen Online-Fragebogen an 350 Beschäftigte in Deutschland ausgespielt, quer über 13 Branchen und alle Unternehmensgrößen, mit Schwerpunkt auf Betrieben zwischen 50 und 1.000 Mitarbeitenden. Das ist unser eigener, direkter Kernmarkt bei MB24. Die vollständige Methodik, inklusive Fragebogen-Aufbau und statistischer Verfahren, steht im Methodik-Beitrag zur Studie.

Wichtig für die Einordnung: Es ist eine Momentaufnahme aus dem Frühjahr 2026, keine Langzeitbeobachtung. Die Angaben stammen aus Selbstauskunft der Befragten, nicht aus HR-Systemdaten. Und die Zusammenhänge, die wir zeigen, sind Korrelationen, keine bewiesenen Ursache-Wirkung-Ketten. Wo das für ein Ergebnis besonders wichtig ist, weise ich unten noch mal gesondert darauf hin.

Der Mittelstand bindet schlechter als Kleinbetriebe und Großkonzerne

Unternehmen mit 51 bis 500 Mitarbeitenden erreichen in unserer Studie die niedrigsten Bindungswerte aller Größenklassen: 2,41 bei 51–200 Mitarbeitenden und 2,56 bei 201–500, auf einer Skala von 1 bis 5. Kleinbetriebe und Großkonzerne binden deutlich besser.

Die Zahlen zeichnen eine U-Kurve. Kleinstbetriebe mit bis zu 50 Mitarbeitenden liegen bei 3,43. Dann fällt die Bindung im Kernmittelstand ab: 2,41 bei 51–200, leicht erholt auf 2,56 bei 201–500. Ab 501–1.000 Mitarbeitenden steigt sie wieder auf 2,90, bei 1.001–5.000 auf 3,27, und bei über 5.000 Mitarbeitenden erreicht sie mit 3,71 den höchsten Wert der ganzen Studie.

Die U-Kurve der Mitarbeiterbindung nach Unternehmensgröße Emotionale Bindung auf einer Skala von 1 bis 5: 1-50 Mitarbeitende 3,43; 51-200 Mitarbeitende 2,41; 201-500 Mitarbeitende 2,56; 501-1000 Mitarbeitende 2,90; 1001-5000 Mitarbeitende 3,27; über 5000 Mitarbeitende 3,71. Quelle: MB24-Studie Mitarbeiterbindung in Deutschland 2026. 1–50 MA 3,43 51–200 MA 2,41 201–500 MA 2,56 501–1000 MA 2,90 1001–5000 MA 3,27 Über 5000 MA 3,71 Emotionale Bindung, Skala 1 (sehr schwach) bis 5 (sehr stark) Quelle: MB24-Studie "Mitarbeiterbindung in Deutschland 2026", n=350 (2026)

Warum ist das so?

In der Beratung sehe ich dafür eine plausible Erklärung, auch wenn unsere Studie das nicht kausal beweisen kann: Kleinbetriebe haben oft familiäre, persönliche Führung, der Chef kennt jeden Namen. Großkonzerne haben professionalisierte HR-Abteilungen mit strukturierten Benefit-Programmen und Weiterentwicklungsinitiativen. Der Mittelstand fällt oft zwischen beide Stühle: zu groß für die persönliche Nähe von früher, zu klein für eine eigene HR-Abteilung mit Budget für Zusatzleistungen.

Das erklärt auch, warum gerade Handwerksbetriebe und Gastronomiebetriebe, die oft in dieser Größenklasse liegen, in unserer Beratung häufig überrascht sind, wie groß die Lücke zu größeren Wettbewerbern bereits ist.

Praktische Bedeutung

Wenn Ihr Betrieb zwischen 50 und 500 Mitarbeitenden hat, gehören Sie statistisch zur Gruppe mit dem größten Bindungsproblem. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein guter Grund, jetzt genauer hinzuschauen. Die vollständige Analyse der Größenklassen-Lücke, inklusive Branchenvergleich, lesen Sie im Beitrag zur Mittelstandslücke.

Warum Kündigung selten wirklich am Gehalt liegt

Unter schwach gebundenen Mitarbeitenden nennen 38% Gehalt als möglichen Kündigungsgrund, unter stark gebundenen nur 8%. Gehalt ist damit eher ein Symptom mangelnder Bindung als deren Ursache.

Diese Zahl ist einer der wichtigsten Befunde der ganzen Studie. Wäre Gehalt die eigentliche Ursache für Kündigungen, müsste der Unterschied zwischen gut und schlecht gebundenen Mitarbeitenden kleiner sein, denn Gehalt betrifft ja im Prinzip alle gleich. Stattdessen ist der Unterschied fast fünffach.

Was heißt das konkret?

Wer sich in seinem Job wohlfühlt, gut geführt wird und Wertschätzung erlebt, denkt seltener übers Gehalt nach. Wer unzufrieden ist, sucht nach einem Grund, der leicht zu erklären ist. Und "das Gehalt passt einfach nicht mehr" ist gesellschaftlich akzeptierter als "meine Führungskraft ignoriert mich" oder "ich fühle mich hier nicht sicher".

Ich habe das in Kündigungsgesprächen selbst oft erlebt, bevor ich MB24 gegründet habe: Der offizielle Grund war fast immer Geld. Der eigentliche Grund kam meistens erst später ans Licht, wenn schon nichts mehr zu retten war.

Das bedeutet ganz und gar nicht, dass Gehalt egal ist. Es bedeutet, dass eine reine Gehaltserhöhung als Reaktion auf Kündigungen oft das falsche Mittel gegen das falsche Symptom ist. Wenn die Bindung insgesamt schwach ist, wird eine höhere Zahl auf dem Gehaltszettel das grundlegende Problem selten lösen.

Die detaillierte Auswertung dazu, was Gehalt wirklich mit Bindung zu tun hat, lesen Sie in unserem Beitrag zur Führung als stärkstem Bindungsfaktor, gleich im nächsten Abschnitt.

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Was bindet Mitarbeitende wirklich, wenn nicht das Gehalt?

Führungsqualität ist in unserer Studie der stärkste einzelne Bindungsfaktor: Bei der schlechtesten Führungsnote liegt die Bindung bei 1,0 von 5, bei der besten bei 4,7. Das ist fast der gesamte mögliche Wertebereich der Skala.

Noch deutlicher wird es in Kombination mit Work-Life-Balance. Sind beide Faktoren gut, gute Führung und gute Work-Life-Balance, steigt die Bindung auf 4,41. Sind beide schlecht, fällt sie auf 1,34. Zwischen diesen beiden Extremen liegt fast der komplette Unterschied zwischen einem Team, das bleibt, und einem Team, das innerlich schon gekündigt hat.

Wichtig für die Einordnung: Unsere Studie misst Zusammenhänge und wir haben nicht experimentell getestet, ob bessere Führung automatisch zu höherer Bindung führt. Der Zusammenhang ist aber so stark und über 13 Branchen hinweg so konsistent, dass er kein Zufallsprodukt sein dürfte. Besonders im Maschinenbau war die Korrelation zwischen Führung und Bindung mit einem Wert von 0,92 fast schon ein Lehrbuchbeispiel. Das deckt sich mit unabhängiger Forschung: Laut dem Gallup State of the Global Workplace Report (Gallup, 2024, abgerufen 2026-07-10) ist die direkte Führungskraft einer der stärksten Einzelfaktoren für Mitarbeiterengagement weltweit.

Bindungsindex nach Führungsbewertung Bindungsindex auf einer Skala von 1 bis 5, nach Führungsnote von 1 (schlechteste) bis 5 (beste): Note 1 = 1,0; Note 2 = 2,2; Note 3 = 2,6; Note 4 = 3,8; Note 5 = 4,7. Quelle: MB24-Studie Mitarbeiterbindung in Deutschland 2026. 1 2 3 4 5 Note 1 1,0 Note 2 2,2 Note 3 2,6 Note 4 3,8 Note 5 4,7 Quelle: MB24-Studie "Mitarbeiterbindung in Deutschland 2026", n=350 (2026)

Was bedeutet das für Sie als Arbeitgeber?

Wenn Sie nur eine Sache in diesem Jahr verbessern sollten, wäre es nicht das Gehaltsband, sondern die Führungsqualität in Ihrem Betrieb. Regelmäßige, ehrliche Feedback-Gespräche, klare Erwartungen, und Führungskräfte, die auch mal zuhören statt nur anzuweisen. Das kostet kein zusätzliches Budget, wirkt aber messbar stärker als die meisten Benefit-Programme.

Die ausführliche Analyse mit allen Branchenwerten und der Frage, warum Führung sogar Gehaltsunzufriedenheit ausgleichen kann, lesen Sie im Beitrag "Führung schlägt Gehalt".

Diese Benefits wünschen sich Beschäftigte wirklich

Rund die Hälfte der Belegschaft wünscht sich mehr Unterstützung bei Gehalt (53%), mentaler Gesundheit (52%) und betrieblicher Krankenversicherung (44%), doch diese Wünsche bleiben in den meisten Betrieben unerfüllt. Das ist die größte unbediente Nachfrage in unserer gesamten Studie.

Die Liste der gewünschten, aber fehlenden Benefits ist lang. Diese Prozentzahlen zeigen jeweils, wie viele Befragte sich das Angebot wünschen, aber aktuell nicht haben:

Benefit Anteil, der es sich wünscht (aber nicht hat)
Gehalt 53 %
Mental-Health-Angebote 52 %
Betriebliche Krankenversicherung (bKV) 44 %
Homeoffice-Möglichkeiten 25 %
Familienleistungen 23 %
Sachbezüge 21 %
Weiterbildung 15 %
Betriebliche Altersvorsorge (bAV) 13 %

Quelle: MB24-Studie "Mitarbeiterbindung in Deutschland 2026", n=350 (2026)

Was überrascht daran?

Mental Health steht praktisch gleichauf mit Gehalt, noch vor bKV, Homeoffice und Weiterbildung. Das widerspricht der verbreiteten Annahme, psychische Gesundheit sei vor allem ein Thema für Großkonzerne mit eigenem Employee-Assistance-Programm. Unsere Daten zeigen: Der Bedarf ist quer über alle Betriebsgrößen da, nur das Angebot fehlt meistens im Mittelstand.

Diese Lücke ist gleichzeitig eine der klarsten Handlungsaufforderungen der Studie. Wenn 44% Ihrer Belegschaft sich eine bKV wünscht und Sie keine anbieten, konkurrieren Sie mit einer offenen Flanke gegen jeden Arbeitgeber, der diese Lücke bereits geschlossen hat. Details zu allen acht Benefit-Kategorien und wie sich die Nachfrage nach Einkommen unterscheidet, lesen Sie im Beitrag zum Maslow-Effekt bei Benefits.

Wie stark wirken bKV und bAV auf die Mitarbeiterbindung?

Bei der bKV klafft die größte Lücke der ganzen Studie: 44% wünschen sie sich, nur 9% haben eine, 35 Prozentpunkte Unterschied. Mit bKV liegt die Bindung bei 4,4, ohne bei 2,9.

Das ist der größte Einzeleffekt eines konkreten Benefits in unserer gesamten Studie. Kein anderer einzelner Baustein zeigt einen so klaren Unterschied zwischen "vorhanden" und "nicht vorhanden". Bei der bAV ist die Lücke ähnlich gelagert, wenn auch mit anderen Zahlen: Im Mittelstand zwischen 50 und 1.000 Mitarbeitenden hat nur 14% überhaupt eine bAV, obwohl der gesetzliche Anspruch auf Entgeltumwandlung seit über 20 Jahren besteht. Mit bAV liegt die Bindung bei 3,9, ohne bei 2,7.

Bindungsindex mit und ohne bKV und bAV Emotionale Bindung auf einer Skala von 1 bis 5: mit bKV 4,4 gegenüber ohne bKV 2,9; mit bAV 3,9 gegenüber ohne bAV 2,7. Quelle: MB24-Studie Mitarbeiterbindung in Deutschland 2026. Mit Benefit Ohne Benefit 4,4 2,9 bKV 3,9 2,7 bAV Quelle: MB24-Studie "Mitarbeiterbindung in Deutschland 2026", n=350 (2026)

Warum ist die bAV-Lücke besonders bemerkenswert?

Anders als bei der bKV handelt es sich bei der bAV nicht um eine freiwillige Kür. Jeder Arbeitnehmer in Deutschland hat seit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz einen gesetzlichen Anspruch auf Entgeltumwandlung. Dass trotzdem nur 14% im Mittelstand eine bAV haben, zeigt: Viele Betriebe erfüllen zwar formal die Pflicht zur Auskunft, aktivieren das Thema aber nicht aktiv. Und ohne aktive Ansprache nutzen die wenigsten Mitarbeitenden ihren Anspruch von sich aus.

Seit dem 22. Januar 2026 gilt zudem das Zweite Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG II) (BMAS, 2026, abgerufen 2026-07-10). Es erlaubt automatische Entgeltumwandlung mit Widerspruchsrecht jetzt auch ohne Tarifvertrag über eine Betriebsvereinbarung. Das senkt die Hürde für Mittelständler ohne Tarifbindung erheblich, eine bAV überhaupt einzuführen.

Was bedeutet das für Sie?

In unserer Beratung erlebe ich häufig, dass Geschäftsführer im Mittelstand glauben, eine bKV oder bAV sei zu teuer oder zu kompliziert für ihre Betriebsgröße. Die Zahlen zeigen das Gegenteil: Gerade im Mittelstand, wo die generelle Bindung ohnehin am schwächsten ist, wirken diese beiden Bausteine besonders stark, weil kaum ein Wettbewerber sie bereits anbietet.

Die vollständigen Zahlen zur bKV-Nachfrage-Lücke lesen Sie im Beitrag zur bKV-Nachfrage-Lücke, die vollständige bAV-Analyse mit BRSG-II-Details im Beitrag zur bAV-Verbreitung im Mittelstand.

Was zeigen Alter, Branche und Einkommen zusätzlich?

Über alle Auswertungen hinweg schwankt die Bindung erheblich: von 1,79 bei unter 25-Jährigen bis 3,92 bei 55- bis 64-Jährigen, und von 1,98 im Handel bis 4,12 in der Automobilbranche. Diese Muster liefern wichtigen Kontext für die fünf Kernerkenntnisse.

Nach Altersgruppe zeigt sich ein klarer Trend nach oben: unter 25 Jahre 1,79, 25–34 Jahre 2,59, 35–44 Jahre 3,47, 45–54 Jahre 3,83, 55–64 Jahre 3,92. Jüngere Mitarbeitende binden sich also deutlich schwerer an ihren Arbeitgeber, was zur bekannten höheren Wechselbereitschaft junger Fachkräfte passt.

Nach Branche liegt die Automobil- und Mobilitätsbranche mit 4,12 an der Spitze, Handel und E-Commerce mit 1,98 am unteren Ende. Zwischen Geschlechtern ist der Unterschied insgesamt gering (Männer 3,06, Frauen 3,12), doch die Benefit-Prioritäten unterscheiden sich deutlich: Männer nennen häufiger Gehalt (61%) und bKV (50%), Frauen häufiger Mental Health (62%), Gehalt (45%) und Familienleistungen (34%).

Beim Nettoeinkommen zeigt sich ein starker Zusammenhang: von 2,09 bei 1.500–2.200 Euro bis 4,53 bei 5.001–7.500 Euro. Das ist aber vermutlich kein reiner Gehaltseffekt. Höheres Einkommen korreliert in unserer Erfahrung meist auch mit mehr Autonomie im Job und besserer Führung, gerade weil höher bezahlte Positionen oft mit mehr Entscheidungsspielraum verbunden sind. Der Gehaltswert allein erklärt die Bindung also wahrscheinlich nicht vollständig.

Besonders spannend: Die bKV-Relevanz steigt mit dem Alter, von 2,14 bei unter 25-Jährigen bis 3,75 bei 55- bis 64-Jährigen. Das widerspricht der verbreiteten Annahme, junge Mitarbeitende würden Gesundheitsleistungen kaum schätzen. Und beim sogenannten Maslow-Effekt zeigt sich: Bei niedrigem Einkommen (1.500–2.500 Euro) dominiert Gehalt mit 91% Nennung, bKV wird dort kaum gewünscht (32%), auch weil die Bekanntheit gering ist (1,70 von 5). Bei höherem Einkommen (4.001–5.000 Euro) kippt das Verhältnis: bKV führt mit 51%, Gehalt fällt auf 39%.

Was folgt aus diesen Ergebnissen für Ihren Betrieb?

Aus unseren fünf Kernerkenntnissen folgt eine klare Reihenfolge für den Mittelstand: erst Führung stärken, dann Gesundheits- und Vorsorge-Benefits einführen, dann erst über Gehalt nachdenken. Diese Reihenfolge kostet in der Praxis oft weniger, als viele Arbeitgeber annehmen.

Für Betriebe zwischen 50 und 500 Mitarbeitenden, also genau die Gruppe mit der schwächsten Bindung in unserer Studie, empfehle ich drei Schritte. Erstens: Führungskräfte-Feedback strukturiert einholen, nicht nur einmal im Jahr in der Mitarbeitergesprächs-Schublade. Zweitens: prüfen, ob bereits eine bAV angeboten wird, denn der gesetzliche Anspruch besteht ohnehin, und seit dem BRSG II vom Januar 2026 ist die Einführung auch ohne Tarifvertrag leichter geworden. Drittens: eine bKV als Ergänzung prüfen, gerade weil fast die Hälfte der Belegschaft sie sich wünscht und nur 9% sie bereits haben.

Für Handwerks- und Gastronomiebetriebe ohne eigene HR-Abteilung gilt das Gleiche in vereinfachter Form: Sie müssen nicht alles auf einmal einführen. Aber wenn Sie überhaupt eine Priorität setzen wollen, zeigen unsere Daten, dass Führung und Gesundheitsvorsorge vor generischen Gehaltserhöhungen kommen sollten.

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FAQ - Häufig gestelle Fragen

Was ist emotionale Mitarbeiterbindung?

Emotionale Mitarbeiterbindung beschreibt, wie stark sich ein Mitarbeitender innerlich mit seinem Arbeitgeber verbunden fühlt, unabhängig von formalen Kündigungsfristen. In unserer Studie wurde sie auf einer Skala von 1 (sehr schwach) bis 5 (sehr stark) über mehrere Aussagen zu Zugehörigkeit und Loyalität gemessen.

Warum bindet der Mittelstand schlechter als Großkonzerne?

Unsere Daten zeigen die niedrigste Bindung bei 51–500 Mitarbeitenden (2,41–2,56 von 5), deutlich unter Kleinbetrieben (3,43) und Großkonzernen (3,71). Eine mögliche Erklärung: Mittelständler haben oft weder die persönliche Nähe von Kleinbetrieben noch die strukturierten HR-Programme großer Unternehmen. Details im Beitrag zur Mittelstandslücke.

Wie wurde die MB24-Studie 2026 durchgeführt?

Wir haben im Frühjahr 2026 einen Online-Fragebogen an 350 Beschäftigte aus 13 Branchen und Unternehmensgrößen zwischen 1 und über 10.000 Mitarbeitenden ausgespielt, mit Schwerpunkt auf 50 bis 1.000 Mitarbeitenden. Die vollständige Methodik inklusive Limitationen steht im Methodik-Beitrag.

Liegt Kündigung wirklich selten am Gehalt?

Unsere Daten zeigen: Unter schwach gebundenen Mitarbeitenden nennen 38% Gehalt als Kündigungsgrund, unter stark gebundenen nur 8%. Das deutet darauf hin, dass Gehalt eher Symptom als Ursache mangelnder Bindung ist, auch wenn Gehalt als Faktor natürlich nicht bedeutungslos ist.

Kann ich diese Studie zitieren?

Ja. Bitte zitieren Sie als: Mitarbeiterbindung24 (MB24), "Mitarbeiterbindung in Deutschland 2026", Münster, 2026, mit Link auf diese Seite. Die vollständige Rohdatenaufschlüsselung nach Branche, Alter und Geschlecht finden Sie in den verlinkten Detailbeiträgen dieser Studienreihe.

Was bedeutet das jetzt für Ihre bKV- und bAV-Entscheidung?

Diese Studie ist letztlich der Grund, warum es MB24 überhaupt gibt: Wir haben zu oft gesehen, wie Mittelständler wertvolle Mitarbeitende verlieren, weil bKV und bAV entweder gar nicht angeboten oder so kompliziert eingeführt werden, dass niemand sie versteht. Die Zahlen aus dieser Studie bestätigen, was wir in der Beratung seit Jahren erleben.

Wenn Sie nach der Lektüre wissen wollen, wie eine bKV oder bAV konkret für Ihren Betrieb aussehen könnte, welche Kosten realistisch sind und wie die Einführung ohne HR-Abteilung funktioniert, sprechen wir gerne unverbindlich darüber. Ein kostenloses Erstgespräch mit mir oder meinem Team zeigt in der Regel innerhalb von 30 Minuten, ob und wie sich der Schritt für Ihren Betrieb lohnt.

Wer sich lieber erst noch in die Grundlagen einlesen möchte, findet bei uns auch ausführliche Einführungen in die betriebliche Krankenversicherung sowie in die Kombination aus bKV und bAV im Bundling-Modell (beide Beiträge folgen demnächst in eigenen Themenclustern).

Über den Autor

Martin Schmidt
Mitgründer und Senior Berater bei MB24
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